„Coming home for Christmas“ – mit amarcord und unserem MGV in die Weihnachtszeit

Drittes musikalisches Highlight zu unserem 150-jährigen Jubiläum: Das Vokalensemble amarcord, unser Frauenchor BelleAmie und unser Männerchor führen mit  Liedgut aus 7 Jahrhunderten in der voll besetzten Pfarrkirche St. Michael in Ötigheim durch die weihnachtliche Gefühlswelt.

Vorspiel:

BelleAmie eröffnet unter der Leitung von Stefan Kistner, kundig moderiert von Tanja Frohberg,  mit dem italienischen Lobgesang „Alta Trinita Beata“ (15.Jh.) das Konzert; harmonischer Klang der Frauenstimmen in „Maria durch den Dornwald ging“  (Wallfahrtslied, 19.Jh.), reine moderne Akkorde in „Den Weg wollen wir gehen“ (O.G.Blarr).   

Erster Akt:

amarcord, zweifacher Echo-Preisträger für A-cappella-Gesang – fünf Sänger, vom Countertenor bis zum tiefsten Bass betreten den Chorraum. „Gaude, gaude laetare“  (Cornelius Freundt, 16.Jh.)– ein Jubelgesang erfüllt das Kirchenschiff, gefolgt vom freudigen  „Angelus ad pastores ait“ (Orlando di Lasso, 16.Jh.), der Verkündung der Geburt des „Heilands der Welt“  an die Hirten in Bethlehem. Im franziskanischen Lied „Angelus ad virginem“ (14. Jh.) tröstet der Engel – mit der himmlischen Stimme des Countertenors – Maria in ihren Ängsten vor der bevorstehenden Schwangerschaft. Vollends mystisch wird der Klang in den Liedern „Maria durch ein Dornwald ging“ (J. Weyrauch) und „Es ist ein Ros entsprungen“ (M. Praetorius, Anfang 17.Jh.) Hier wird das Wort von Leo Tolstoi wirksam:  „Keine Kunst wiegt einen so in Selbstvergessenheit wie die Musik.“ Dann der Wechsel zum erzählenden Gesang in „Übers Gebirg Maria geht“ (der Besuch Marias bei Elisabeth, J. Eccard, 16.Jh.),  bis zur troubadourartig gesungenen Litanei „Puer natus in Bethlehem“ nach der Melodie des Thomaskantors W. Figulus (16.Jh.).  „Ich steh an deiner Krippe hier“ – hymnische Anbetung des Kindes nach einer Weise Martin Luthers beschließt den Reigen der Weihnachtslieder aus dem Mittelalter und der Renaissance. Mit dem englischen Volkslied „Sussex Carol“ weist amarcord schon auf seinen zweiten Auftritt hin, überlässt aber zunächst „den Kollegen des Männergesangvereins“ den Chorraum.

20131201_MGV_Oetigheim_3

Zwischenspiel:

„Segne und behüte“  (F. Francke, 18.Jh.)- dieses Lied greift behutsam Themen des Weihnachtsfestes auf. Licht und Frieden. Chorleiter Stefan Kistner bringt den Männerchor zu einem feinen dynamischen Klang, passende Ergänzung zu amarcord. Spannungsbogen beim Deklamieren des Textes „Pater noster“ (Nikolai Kedrov, 20.Jh.), schier endlos verklingendes pianissimo am Ende – wunderbarer „russischer“ Klang der nahezu 70 Stimmen. „O du stille Zeit“ (C.Bresgen, 20.Jh.) thematisiert ein wesentliches Element der Weihnachtszeit: die Stille.

20131201_MGV_Oetigheim_2

Zweiter Akt:

amarcord zeigt die weltweite heitere Art das Weihnachtsgeschehen zu besingen. Ein finnisches Lied aus dem „Geburtsland des Weihnachtsmannes“, Stimmen wie federnde Bälle; danach ein Weihnachtslied aus Katalonien, in dem die Figur des „kleinen Scheißerle“ den „Gottessohn“ total menschlich werden lässt. „Hark! The Herald Angels Sing“ – vom englischen Weihnachtslied in die Karibik nach Trinidad and Tobago, – amarcord empfiehlt uns den „Tausch der Weihnachtsgans gegen ein Schwein, des Glühweins gegen einen Cocktail“ –, Stimmenwechsel und Stimmungswechsel, witzig fetziger afro-amerikanischer Song, weiterhin zugespitzt in einem südafrikanischen Weihnachtslied.

Finale:

Unser Männerchor verabschiedet gemeinsam mit BelleAmie das Publikum mit „Ich bete an die Macht der Liebe“ (D. Bortnjanski), ein zutiefst mystisches Lied, herrlicher Klang der Frauen- und Männerstimmen von der Empore herab.

„Der Mond ist aufgegangen“, amarcord singt im Wechsel mit unseren Chören dieses Abendlied von Matthias Claudius  zum Dank  für den ständig wiederholten Applaus des begeisterten Publikums, welches die Wahrheit des Wortes von Richard Wagner in diesem Konzert erfahren durfte: „Das älteste, echteste und schönste Organ der Musik, das Organ, dem unsere Musik allein ihr Dasein verdankt, ist die menschliche Stimme.“

20131201_MGV_Oetigheim_4